(Papua-Neuguinea) Als meine Frau noch meine Freundin war, und wir beide in Lae wohnten, besuchte sie oft ihre Familie in Madang, ca. 4 Autostunden entfernt. Sie brachte jedes Mal Geschenke mit, oft ein Bündel Bananen, oder einen Sack Süßkartoffeln. Sowohl in Lae als auch in Madang wächst beides reichlich … .
In einem Buch „International Management“, dass ich zur Verarbeitung meiner Erfahrungen als Entwicklungshelfer in Bougainville und Papua-Neuguinea vor einiger Zeit durcharbeitete, war folgende Situation beschrieben: Ein japanischer und ein niederländischer Geschäftsmann befinden sich in Verhandlungen zu einem wichtigen Projekt. Gleich nach einem der ersten Treffen offeriert der Japaner dem Niederländer ein wertvolles Geschenk. Der Niederländer lehnt (innerlich entsetzt) ab, er will nicht bestechlich erscheinen. Der Japaner interpretiert die Situation anders: „Wenn du mit mir ins Geschäft kommen willst, musst du schon mehr springen lassen.“ Folgerichtig bringt er zum nächsten Treffen ein noch teureres Geschenk mit. Der Niederländer lehnt wieder ab. Die Situation wiederholt sich ein drittes Mal. Schließlich kommt es zum Eklat und die Verhandlungen scheitern. Der Niederländer wirft dem Japaner Bestechungsversuche vor. Letzterer ist dadurch zutiefst beleidigt und lehnt die vermeintliche „westliche Arroganz und grobe Unhöflichkeit“ ab. Er habe doch nur auf höfliche Weise seine Wertschätzung des Gegenübers zeigen wollen.
Zur Geburt unseres Sohnes (im melanesischen Bougainville) konnten viele unserer Freunde uns erst wieder besuchen, nachdem sie ihm eine Essensgabe mitgebracht hatten und damit ihre Freundschaft zu uns, den Eltern, und die Freude über seine Geburt bekundet hatten. Einen Korb Gartenfrüchte, ein Hahn (den wir bereits am nächsten Tag schlachten mussten, da er uns den Schlaft raubte), oder ein paar Mitbringsel aus dem Laden um die Ecke.
2005 verbrachte ich zusammen mit meinem Kumpel P. einen Abend in der Bar des Melanesian Hotels in Lae. Dort lief uns ein alter Schulkollege P.s über den Weg. Die beiden, beides Hochländer, hatten sich lange nicht gesehen. Der Kollege hatte nach dem Studium kürzlich eine gut bezahlte Stelle angenommen. Seine Taschen waren voller fünfzig Kina-Scheine, von denen er uns dreien eine Runde „green can“ (SP Lager Bier) nach der anderen bestellte. Schließlich stand ein knappes Dutzend voller Flaschen auf dem Tisch. Meinen mehrfachen Versuch ihn zu stoppen erwiderte er schließlich wie folgt: Er würde uns gerade seine Freundschaft beweisen, dass ich ihn zu stoppen versuche, sei hochgradig unhöflich.
Was mich immer wieder verdutzt: Beschenkte versuchen in der Regel irgendwie den Preis des Geschenkes zu ermitteln. Mehrfach schon bin ich ganz direkt gefragt worden: „Wieviel hat das gekostet?“ Mich, als jemanden der immer sehr sorgsam selbt hartnäckig klebende Preisschilder von Geschenken entfernt, verunsichert das. Man könnte ja ein teures Geschenk als Angeberei interpretieren. Folglich spiele ich bescheiden den Preis herunter („War`n Sonderangebot.“) oder behaupte ich wüsste es nicht mehr. Ich will damit Bescheidenheit kommunizieren, aus Sicht des Beschenkten spiele ich aber vielleicht auch den „Wert“ unserer Beziehung herunter.
