niugini – land of the unexpected

Papua-Neuguinea

Archiv für die Kategorie ‘Entwicklungszusammenarbeit’

Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungshilfe, Entwicklungspolitik mit Schwerpunkt auf den pazifischen Raum und Bougainville/PNG insbesondere

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Verfasst von bukacarsten am September 8, 2009

(Papua-Neuguinea) Als meine Frau noch meine Freundin war, und wir beide in Lae wohnten, besuchte sie oft ihre Familie in Madang, ca. 4 Autostunden entfernt. Sie brachte jedes Mal Geschenke mit, oft ein Bündel Bananen, oder einen Sack Süßkartoffeln. Sowohl in Lae als auch in Madang wächst beides reichlich … .

In einem Buch „International Management“, dass ich zur Verarbeitung meiner Erfahrungen als Entwicklungshelfer in Bougainville und Papua-Neuguinea vor einiger Zeit durcharbeitete, war folgende Situation beschrieben: Ein japanischer und ein niederländischer Geschäftsmann befinden sich in Verhandlungen zu einem wichtigen Projekt. Gleich nach einem der ersten Treffen offeriert der Japaner dem Niederländer ein wertvolles Geschenk. Der Niederländer lehnt (innerlich entsetzt) ab, er will nicht bestechlich erscheinen. Der Japaner interpretiert die Situation anders: „Wenn du mit mir ins Geschäft kommen willst, musst du schon mehr springen lassen.“ Folgerichtig bringt er zum nächsten Treffen ein  noch teureres Geschenk mit. Der Niederländer lehnt wieder ab. Die Situation wiederholt sich ein drittes Mal. Schließlich kommt es zum Eklat und die Verhandlungen scheitern. Der Niederländer wirft dem Japaner Bestechungsversuche vor. Letzterer ist dadurch zutiefst beleidigt und lehnt die vermeintliche „westliche Arroganz und grobe Unhöflichkeit“ ab. Er habe doch nur auf höfliche Weise seine Wertschätzung des Gegenübers zeigen wollen.

Zur Geburt unseres Sohnes (im melanesischen Bougainville) konnten viele unserer Freunde uns erst wieder besuchen, nachdem sie ihm eine Essensgabe mitgebracht hatten und damit ihre Freundschaft zu uns, den Eltern, und die Freude über seine Geburt bekundet hatten. Einen Korb Gartenfrüchte, ein Hahn (den wir bereits am nächsten Tag schlachten mussten, da er uns den Schlaft raubte), oder ein paar Mitbringsel aus dem Laden um die Ecke.

2005 verbrachte ich zusammen mit meinem Kumpel P. einen Abend in der Bar des Melanesian Hotels in Lae. Dort lief uns ein alter Schulkollege P.s über den Weg. Die beiden, beides Hochländer, hatten sich lange nicht gesehen. Der Kollege hatte nach dem Studium kürzlich eine gut bezahlte Stelle angenommen. Seine Taschen waren voller fünfzig Kina-Scheine, von denen er uns dreien eine Runde „green can“ (SP Lager Bier) nach der anderen bestellte. Schließlich stand ein knappes Dutzend voller Flaschen auf dem Tisch. Meinen mehrfachen Versuch ihn zu stoppen erwiderte er schließlich wie folgt: Er würde uns gerade seine Freundschaft beweisen, dass ich ihn zu stoppen versuche, sei hochgradig unhöflich.

Was mich immer wieder verdutzt: Beschenkte versuchen in der Regel irgendwie den Preis des Geschenkes zu ermitteln. Mehrfach schon bin ich ganz direkt gefragt worden: „Wieviel hat das gekostet?“ Mich, als jemanden der immer sehr sorgsam selbt hartnäckig klebende Preisschilder von Geschenken entfernt, verunsichert das. Man könnte ja ein teures Geschenk als Angeberei interpretieren. Folglich spiele ich bescheiden den Preis herunter („War`n Sonderangebot.“) oder behaupte ich wüsste es nicht mehr. Ich will damit Bescheidenheit kommunizieren, aus Sicht des Beschenkten spiele ich aber vielleicht auch den „Wert“ unserer Beziehung herunter.

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Loloho

Verfasst von bukacarsten am September 1, 2009

Loloho

Loloho

Die ehemalige Verladestation der Panguna-Mine, heute still gelegt, wird nach und nach mit Schneidbrennern demontiert.

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Preis für Radio New Dawn – Torokina

Verfasst von bukacarsten am August 28, 2009

Mein Lieblingssender  (naja, wir haben bloss zwei Sender), Radio New Dawn FM 95.3, ist für seine besondere Leistung sozialen Wandel zu fördern, ausgezeichnet worden. (Link)

Hier auch gleich ein aktueller Beitrag von New Dawn, über eine kleine Gruppe die in Torokina (an der südlichen Westküste Bougainvilles) versucht, die Gegend von tötlichem amerikanischen und japanischen 2. Weltkriegs-Müll zu befreien. (Link)

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Panguna Klage gegen Rio Tinto in USA zugelassen

Verfasst von bukacarsten am August 21, 2009

Eine in den Vereinigten Staaten angestrebte Klage (wegen Menschenrechtsverletzungen etc) gegen den ehemaligen Betreiber der Panguna-Mine, Rio Tinto, scheint wahrscheinlicher geworden zu sein.

… Australia-based National Business Daily reported on Aug. 8 that a U.S. class action against Rio Tinto seeking damages for human rights abuses stemming from operations at the Panguna copper mine, Bougainville of the Papua New Guinea, had cleared a crucial hurdle — and could reach trial within two years. …

Den Original-Text kann man hier oder hier lesen.

Weitere Artikel zu Bougainville Copper/Rio Tinto aus den letzten Jahren gibt es unter www.minesandcommunities.org.

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Panguna-Mine revived/wiederbelebt?

Verfasst von bukacarsten am Januar 16, 2009

„Bougainvilleans, I will not force mining onto you.“ – Sinngemäss: Bougainvilleer, ich werde ich euch nicht zur Wiedereröffnung der Panguna Mine zwingen. So äusserte sich James Tanis der neue Präsident der Autonomen Region Bougainville in seiner Antrittsrede. Von Herrn Tanis, der noch lange mit dem BRA-Führer Francis Ona ausgehalten hatte, hat wohl auch kaum jemand ausgebreitete Arme für den Bergbaukonzern Rio Tinto und Panguna Copper Ltd erwartet.

An anderer Stelle kann man folgendes lesen:
“He’ll be listening to all views but that there will be no mining in Bougainville unless that is what the people want. That means not only is the Bougainville Resources Development Corporation but also the future of the Bougainville Copper Limited, the Rio Tinto-owned resource development that led to the original conflict back in 1988.”

„Rio Tinto case revived, as new government takes charge“, heisst es dagegen wieder an anderer Stelle. Dabei handelt es such um das Gerichtsverfahren gegen Rio Tinto, nicht die Wiedereröffnung der Mine.
„US court has agreed to re-open a case, lodged several years ago against Rio Tinto, accusing the company of complicity in human rights abuses by the operation of its Panguna copper-gold mine until 1989, and in the horrendous civil war that followed.
Representatives of US the law firm, Hagens Berman, representing Panguna landowners, were expected to arrive in Bougainville last weekend to meet with the new provincial government’s president, James Tanis.
Tanis is himself a former commander of the Bougainville Revolutionary Army, initially formed to fight against the mine in 1988.
Last week, at his inauguration ceremony, Tanis apparently lent support to those Panguna landowners seeking to keep the mine closed.“ (Meldung vom 13. Januar 2009 unter minesandcommunities.com)

Hintergrundinfo zur Präsidentschafts-Wahl:
James Tanis elected President of Autonomous Bougainville Government
Posted at 22:53 on 28 December, 2008 UTC
James Tanis has been elected President of the autonomous Papua New Guinea province of Bougainville.
The former separatist beat 13 other contenders for the post made vacant by the death of Joseph Kabui in June this year.
The Post Courier newspaper reports he was nearly two thousand votes ahead of the second highest polling candidate, former National Government Cabinet Minister, Sam Akoitai.
Mr Tanis finished third in the first election for President for 2005, behind Mr Kabui and former Governor John Momis.
Mr Akoitai says he is happy with the choice of Mr Tanis who he says was instrumental in the peace process.
He has urged the ABG under Mr Tanis’s leadership to prioritise weapons disposal and the referendum which are key issues in the Bougainville peace agreement.
Meanwhile Mr Akoitai says many Bougainvilleans were denied their democratic rights in the poll because their names were not on the common roll.

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Bougainville: Die ersten Klimaflüchtlinge

Verfasst von bukacarsten am November 18, 2008

Klimawandel mal praktisch. Der Kampf mit dem Meer hat in Papua-Neuguinea eine uralte Tradition. Steigende Meeresspiegel hatten bereits nach der letzten Eiszeit die Hauptinsel Neuguinea vom australischen und südostasiatischen Festland abgeschnitten, wodurch Neuguinea für Jahrtausende vom kulturellen Austausch mit Südostasien abgeschnitten wurde. Viele frühe Besiedlungsspuren werden nie gefunden werden, weil die ersten Siedler sich in heute überfluteten Küstengebieten nieder gelassen hatten.

So gesehen ist die sich auf den Bougainville’schen Cartrets Atollen anbahnende Katastrophe nichts neues: Die flachen Korallenriffe sind in den letzten Jahrzehnten erheblich geschrumpft. Die unter den Inseln liegenden Süßwasserlinsen versalzen nach und nach, so dass die dort verbliebene Bevölkerung von noch 1.500 (ehemals 3.000) Menschen längst komplett hätte umgesiedelt werden müssen. Aber wohin?

Der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels macht nach und nach das Leben auf den Atollen unmöglich. Eindringendes Salzwasser und Flutwellen zerstören Gärten und natürliche Trinkwasserreserven der nur bis zu 1,5 Meter über dem Meeresspiegel liegenden fünf Atollen. In den letzten 20 Jahren ist der Meeresspiegel um die Atolle herum um ca. 10 Zentimeter angestiegen („First climate change refugees reportet“, in Post-Courier, 30. Oktober 2008, S. 5) und das Meer hat sich z.T. hundert Meter und weiter in die Koralleninseln vorgefressen. Der Fall der Carterets ist in PNG nicht einzigartig: Krangket Island in Madang erwägt den Bau eines – kaum bezahlbaren – Seewalls, die historische Salamaua Regierungs-Station in der Morobe-Provinz ist durch Überflutung gefährdet und die dortige Schule nach dem Versumpfen des Fussballfeldes bereits an einen weniger verkehrsgünstigen aber höher gelegenen Ort verlegt worden („Salamaua fears rising sea levels“, in Post-Courier, S. 4, 3. November 2008). Aus fast allen Küstenprovinzen PNGs tauchen in den zwei Tageszeitungen PNGs immer wieder Nachrichten von schrumpfenden Inseln und überflutungsbedingten Umsiedlungswünschen auf.

Die mehrheitlich katholischen Bewohner der Carterets leben derweil von kaum mehr als von Fisch und Kokosnüssen. Die Gärten sind zerstört. Verkehrstechnisch sind sie weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten: Die Sankamap, das halbstaatlich betriebene Schiff, das die Atolle versorgt, ist dringend reparaturbedürftig und fährt seit einiger Zeit nicht. Mehstündige Motorbootfahrten aufs Festland sind teuer und gefährlich. Die hochseetüchtigen Schiffe, mit denen die melanesischen Vorfahren vor einigen hundert Jahren die ehemals polynesischen Inseln von Buka her erobert haben, existieren heute nicht mehr. Immer wieder versagen Motoren ausser Sichtweite von Land und Menschen gehen auf hoher See verloren. Allerdings: Im April erreichte das lang ersehnte Cargo-Schiff Sankamap II Bougainville. Es soll in Zukunft die Atolle, u.a. die Carterets, versorgen, hat aber bis dato den regulären Betrieb wegen diverser Probleme noch nicht aufnehmen können.

Eine Umsiedlung auf Staatskosten ist schon länger geplant. Noch vor kurzem wurde das Jahr 2007 als Termin genannt. Allerdings fehlt es noch an geeignetem Ansiedlungsland. Bisher waren vor allem seit dem Bürgerkrieg auf der Hauptinsel Bougainville stillgelegte Plantagen im Gespräch. Doch welche? Ins reiche Kakao-Land um Tinputz, wo die katholische Kirche umstrittene Ländereien besitzt? An die kaum besiedelte und schlecht erschlossene Westküste? Die derzeit heißeste Alternative scheint eine Umsiedlung von ca. 40 Familien auf die ehemalige Baniu-Plantage zu sein. Die Regierung der Autonomen Region Bougainville verhandelt derzeit mit den traditionellen Landeignern der Plantage. Begonnen werden soll schon Anfang 2009. Bis 2014 soll die Umsiedlung komplett abgeschlossen sein, der sich allerdings ein Teil der Carterets-Bevölkerung noch widersetzt. („First climate change refugees reportet“, in Post-Courier, 30. Oktober 2008, S. 5) Land, auch das ehemalige Plantagenland, ist auch auf Bougainville im Besitz und de facto Eigentum der traditionellen „land owners“, die nur ungern ihre Ansprüche an Fremde aufgeben.

Dessen ungeachtet geht eine informelle Umsiedlung von statten. Die Bevölkerung von ehemals 3.000 ist auf unter 2.000, manchmal ist von nur noch 1.500 Atollbewohnern zu lesen, gesunken. Mit jedem Schiff, jeder Yacht, jedem Motorboot verlassen einige Bewohner ihre untergehende Heimat. Viele auf dem Festland, hauptsächlich Buka, ansässige Carteretianer haben ihre Heimat schon seit Jahren nicht mehr besucht und schicken nur noch mit gelegentlichen Schiffen Nahrungsmittel an ihre Familie.

Weltweit
Entwicklungsländer leiden häufig sehr viel stärker unter Stürmen, Überschwemmungen und Wetterextremen häufig sehr viel stärker als industrialisierte Länder, wie der Klima-Risiko-Index (Link Germanwatch) erkennen lässt.

Besonders betroffen sind die so genannten „small island states“ des Pazifik und der Karibik, deren gesamte Staatsfläche sich oftmals kaum mehr als ein Meter über den Meeresspiegel heraus erhebt und die Flussdelta-Gebiete in Ländern wie Ägypten, Bangladesh und Vietnam.

Weitere Informationen:

  • Pazifik-Informationsstelle
  • Pazifik-Informationsstelle – Aktivitäten
  • Germanwatch Klimarisikoindex
  • 3rd global congress of women in politics and governance
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    Die Panguna-Mine und die Frauen

    Verfasst von bukacarsten am September 12, 2008

    Ich bin grad auf eine Meldung vom April gestossen, die „Wiedereröffnung“ der gigantischen Panguna-Mine bei Arawa betreffend. Die Eigentümerinnen des Grund und Bodens beschweren sich, dass sie in den Verhandlungen um die Wiedereröffnung der Mine nicht konsultiert werden … .

    … As a proxy on behalf of shareholders from the Rio Tinto Ethical Shareholders group, MPI raised issues relating to Freeport and also queried the company’s ongoing majority stake in Bougainville Copper Limited, that operated the Panguna mine that lead to civil war on the small Pacific island.
    The Panguna Landowner Association – Women landowners from the mine site who carry the traditional authority over land which is passed matrilineal in Bougainville – have called upon Rio Tinto to ensure that they be consulted at the earliest opportunity regarding future plans for the site- as currently no information is reaching them regarding the company’s plans. Discussions over the mine’s future have proceeded between the Bougainville autonomous government and Rio Tinto’s subsiduary Bougainville Copper LImited (BCL) without any efforts to get the views or include the appropriate and rightful customary owners of the land. MPI conveyed their message directly to BCL’s chair following the formal proceedings of the meeting. …

    Quelle: Rio gets a drubbing down-under, von: Mines and Communities

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    Die nicht-melanesischen Ausländer in Zentral-Bougainville und was sie so tun

    Verfasst von bukacarsten am September 10, 2008

    Österreichisch-deutsche Entwicklungshelfer:
    Stefan Fritsche, Schreinermeister und Bauzeichner, arbeitet seit Mai 2008 in der Berufsschule in Koromira mit. Er unterrichtet, bildet seine Kollegen weiter, und hat eine Reihe weiterer Aufgaben. Er folgt Alex Singer nach, der jetzt in die Berufschulabteilung der Bougainvilleschen Bildungsbehörde in Buka aufgerückt ist.

    Dete Siegert, seit Ende 2007 in Arawa, betreut mit seiner hiesigen Kollegin die Jugend Zentral-Bougainvilles, die im Bürgerkrieg groß geworden ist und am meisten unter ihm gelitten hat. Meist ist Dete in den entlegendsten Winkeln seines Einsatzgebietes unterwegs. Seit er da ist, regt sich wieder was in der Jugendarbeit. Er folgt Harry Rettner nach, der bis Ende 2006 hier war.

    Ich. Stefan und ich sind mit knapp unter und knapp über 30 die beiden jüngsten Projektmitarbeiter von HORIZONT3000 in PNG.

    Neuseeländische Entwicklungshelfer:
    Neben uns sind Pete und Di und zwei Neue vom neuseeländischen Entwicklungsdienst Volunteer Service Abroad (VSA) die einzigen Weißen. VSA unterstützt eine breite Bandbreite von lokalen NGOs mit Geld und Personalkraft.

    Australische Entwicklungshelfer:
    In Mabiri unterrichtet eine australische AVI-Lehrerin mit wohl deutschen und neubritannischen Großeltern (die dürfte eigentlich nicht zählen, da hier geboren).

    Australische Religiöse:
    Bruder Gerry und Schwester Vicky vom männlichen bzw weiblichen Zweig des Maristenordens. Der fast 80-jährige Gerry ist gleichzeitig AVI (Australian Volunteers International) -Entwicklungshelfer und teilt sich das Büro mit uns. Vicky counselt vom Schicksal oder ihrem Mann geschlagene Ehefrauen, traumatisierte Kids u.a..

    Neuseeländische Polizisten:
    Dem gelegentlich vorbei schauenden neuseeländischen Polizei-Team, welches die Community Police ausbildet und Waffen zählt verdanken wir das zweifellos hilfreiche Wissen, dass in Arawa noch ca. 40 M16s und ein paar andere Schnellfeuergewehre, deren Namen ich mir nicht merken kann, in freier Eigentümerschaft herum schwirren.

    Die dauerhaft hier stationierte Polizei des ehemaligen Kolonialherren Australien wurde schon Mitte letzten Jahres aus Bougainville verwiesen, offenbar weil sie sich der hiesigen Politik nicht unterordnen wollte (was ehemaligen Kolonialherren wohl allgemein schwer fällt). Schade, denn die hatten einen Helikopter hier stationiert, mit dem sie auch schon mal Kranke nach Buka geflogen haben.

    Privatpersonenen:
    Der alte hier verheiratete Däne soll vor kurzem gestorben und im Dorf seiner Frau begraben worden sein.
    Einen uralten hier verheirateten Chinesen gibt es auch noch.
    Beide sollen sogar während der Krise in Arawa geblieben sein.
    Ach ja, einen gibt es hier noch: Er baut für Digicel Mobiltelephonmasten, die nur die Hälfte der Zeit funktionieren. Was aber nicht seine Schuld sei, meint er. Nationalität unbekannt. Australien?

    Süd-Bougainville:
    Im zum wilden Süden gehörige und daher hier nicht mitgezählte Bana-Distrikt lebt G. mit seiner Frau, Belgier. Interessante Menschen, vor allem weil man sie praktisch nie trifft und nur von ihnen weiß dass sie Kakaopulver und Lehmziegel her stellen und es bis zu den höheren Weihen der Entwicklungshelfer gebracht haben: Sie sprechen die dortige Lokalsprache perfekt. Ob sie wirklich Entwicklungshelfer oder Missionare, SIL-Bibelübersetzer oder Aussteiger sind, weiß keiner wirklich.

    Statistik Zentral-Bougainville:
    Permanent hier lebende Nicht-Melanesier: 2 Deutsche, 1 Österreicher, 4 Neuseeländer, 4 Australier, 1 Chinese. Hier lebende Melanesier (inkl. einiger Polynesier): Knapp 40.000.
    Oder: 8 Entwicklungshelfer (Kategorie 1), 2 Religiöse (Kategorie 2) und ein Ingenieur (Kategorie 3), ein Rentner (Kategorie 4). Gerry könnte statt bei Kategorie 2 auch bei 1 gezählt werden, Pete statt bei 1 auch bei 4.
    Von uns 12 verfügen immerhin 7 über einen Kühlschrank, 2 nicht, 3 unbekannt. Das ist der kleine Luxus, der uns von der Masse abhebt.
    Von den 12 können sich die 3 HORIZONT3000-Kollegen, der Chinese und die 2 Australierinnen in der hiesigen Verkehrsprache Tok Pisin verständigen.

    Die Polizisten sind in dieser Statistik nicht mitgezählt. Ebenso wenig die, die nicht als Ausländer erkennbar sind. Einige hier ansässige Bougainvilleer haben ausländische Eltern und teilweise auch Pässe.

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    Bougainville-Wirtschaftsminister stellt australische Beratertätigkeit in Frage

    Verfasst von bukacarsten am September 9, 2008

    Bougainvilles Commerce and Trade Minister Joseph Watawi drückte Anfang des Monats seine Bedenken zu weiteren Kurzzeitberater-Einsätzen der australischen Entwicklungsagentur AusAid aus. Man habe schon genug australische Berater gesehen, die nach nur wenigen Monaten wieder gingen. (Quelle: Radio Australia) Irgendwann heisst es sicher: Jetzt sind diese deutsch-österreichischen Entwicklungshelfer schon zwei Jahre da und gehen uns immer noch auf den Geist … .

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    Carstens Projekt im Post-Conflict-Bougainville

    Verfasst von bukacarsten am September 6, 2008

    Südpazifik: Sonne, Palmen, Südsee, Sandstrände … . Das erst in meinem Geburtsjahr 1975 unabhängig gewordene Papua-Neuguinea, auch PNG genannt, der Staat, der den östlichen Teil der Insel Neuguinea und einen großen Teil der nördlich vor Australien gelegenen Inselwelt einnimmt, ist mehr. „The land of the unexpected“ beherbergt je nach Zählweise über 800 unabhängige Sprachen, ein bis nach den 2. Weltkrieg unerschlossenes Hochland, einige der artenreichsten Korallenriffe der Welt und Unmengen abbaubarer Rohstoffe.

    Bougainville, die östlichste Inselprovinz PNGs mit unter 200.000 Einwohnern, wurde in den 1980er und 90er Jahren von einem zehnjährigen blutigen Bürgerkrieg um die gigantische Kupfer- und Goldmine Panguna und die Unabhängigkeit heimgesucht. Die Mine ist mittlerweile geschlossen, die ehemalige Provinz zur „Autonomen Region“ mit Option zur Unabhängigkeit erhoben – und die Gesellschaft zerrissen und traumatisiert, Straßen und Schulen zerstört. Viele Familien haben aus Angst und Vorsicht ihre Waffen noch immer nicht abgegeben.

    Am Wiederaufbau des Bildungswesens beteiligt sich unter anderem HORIZONT3000 (ehemals OED – Österreichischer Entwicklungsdienst) mit z.Z. 6 Entwicklungshelfern die auf unterschiedliche Art und Weise Grund- und Berufsschulen unterstützen.

    Projektpartner meines School Management Programme Bougainville (SMPB) ist die Catholic Education Agency Bougainvilles. Unser Büro in Arawa hat den schönen Namen „Wanbel Haus“ verliehen bekommen. „Wanbel“ (wörtlich „ein Bauch“) steht für Einigkeit, Frieden, und irgendwie auch für den noch immer nicht abgeschlossenen Friedensprozess Bougainvilles (und für unsere Partnerschaft für das „Projekt der aufgehenden Sonne“ (Marist Project Sankamap), mit dem wir uns das Gebäude teilen).

    Mit unseren Kursen und Schulbesuchen unterstützen wir Schulleiter und die Schulvorstände, meist einfache Gemeindemitglieder, bei der Verwaltung ihrer Schule zu unterstützen. Eine gute Buchhaltung ist dabei ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit innerhalb der Schule, z.B. zwischen Schulvorstand (Board of Management), den Lehrern und der Eltern- und Bürgergemeinschaft (Parents & Citizen Organisation). Unser Programm unterstützt alle der über 200 Primar- und Berufsschulen Bougainvilles, ob sie nun von der methodistischen Vereinigten Kirche, den Adventisten, der katholischen Diözese oder dem Staat betrieben werden.

    Ein kleiner Beitrag, mit dem wir hoffen zur Schlichtung und Vermeidung schulischer und lokaler Konflikte beizutragen. Und vielleicht … nur vielleicht dazu … eine neue Generation Menschen ohne Gewalttrauma, eine Generation der durch Bildung die Welt ein Stückchen näher rückte zu fördern.

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