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Brain drain, brain gain

Juni 6, 2008

Meine kleine unrepräsentative Umfrage hat ergeben: Papua-Neuguinea (und sogar das vermeintlich krisengeschüttelte Bougainville) ist eine attraktives Einwanderungsland. Zumindest für gut ausgebildtete Asiaten. Mein Apotheker in Buka, ein netter junger Mann aus den Philippinen, hat mir seine Beweggründe erklärt in PNG zu arbeiten. Hier könne er von seinem Gehalt tatsächlich leben, in seinem Heimatland nicht. Die Aussage hat mich aufmerksam gemacht: Auch in Lae ist die Drogerie-LeiterInnen der City Pharmacy philippinischer Herkunft. Die Crew der Sankamap II, des langersehnten Schiffs das die bougainvillischen Atolle mit Nahrungsmitteln versorgen soll, ist ebenfalls zumindest teilweise philippinisch. Die Techniker der meisten Schiffe von Peter Sharps Rabaul Shipping Ltd kommen dagegen aus Sri Lanka (teils Tamilen, teils Mehrheitbevölkerung). Der erste Offizier eines der Schiffe, das vor einer Weile in Buka angelegt hatte, meinte: Auf See in PNG könne er mehr als in der Heimat verdienen. Er werde erst – wenn überhaupt – zur Rente nach Sri Lanka zurück kehren.

City Pharmacy bildet seine Angestellten hauptsächlich intern aus, wobei diese von ihren zugewanderten Chefs profitieren dürften.

Die in den letzten Jahren rasant gewachsene Fischereiflotte PNGs kann ihren Bedarf an Personal wahrscheinlich ebenfalls nicht ausschließlich aus der einzigen kleinen Seefahrts-Schule in Madang rekrutieren.

In der neuguineischen Presse wird die Frage der Migration von Asiaten allerdings eher unter anderem Gesichtspunkt betrachtet. Hier stehen die illegalen und oft unqualifizierten asiatischen Arbeiter der Bergbauunternehmer und des „chinesischen Netzwerkes“ im Vordergrund. Mal sind es Berichte von illegalen Angestellten von Glücksspielläden, Pornohändler und Raubkopierer, massenhaft legal und illegal ins Land geschmuggelte Minenarbeiter. Letzte Woche wurden in Port Moresby zwei Bäckereiangestellte erdrosselt („von chinesischen Triaden“, so die Vermutung der Polizei), Monate vorher in Mount Hagen chinesische Geschäfte geplündert und abgebrannt. Wobei von den Massen kein Unterschied zwischen sozial integrierten alteingesessenen neuguineischen Staatsbürgern chinesischer Abstammung und „neuen“ Chinesen machten.

Lokalgeschichte: „Eriku“ das zweite Stadtzentrum Laes hat seinen Namen von Eric Hu, einem chinesischen Ladenbesitzer erhalten, der dort seinen Tradestore hatte.
Während des zweiten Weltkrieges internierten die japanischen Besatzer alle neuguineischen Chinesen derer sie habhaft werden konnten.
Lae hat noch heute sein mittlerweile allerdings Chinesenloses Chinatown. In Madang ist erst jetzt ein Chinatown für Angestellte der jungen Ramu-Nickel-Mine entstanden (deren Abwässer im übrigen die wirtschaftliche Grundlage der (philippinisch gemanagten) Dosenfischfabrik RD Tuna gefährden könnten).
Die Chinesen Bougainvilles haben die Provinz während der Krise fast ausnahmslos verlassen müssen. Heute ist nur ein Laden in Buka in chinesischer Hand. Bei uns in Arawa lebt ein alter Chinese, dem ein Laden und ein Landcruiser gehört. Beide sind lokal verheiratet und sicher nicht mehr wegen des Geldes hier.

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