Startseite > Bougainville, Welt verbessern > Die nicht-melanesischen Ausländer in Zentral-Bougainville und was sie so tun

Die nicht-melanesischen Ausländer in Zentral-Bougainville und was sie so tun

September 10, 2008

Österreichisch-deutsche Entwicklungshelfer:
Stefan Fritsche, Schreinermeister und Bauzeichner, arbeitet seit Mai 2008 in der Berufsschule in Koromira mit. Er unterrichtet, bildet seine Kollegen weiter, und hat eine Reihe weiterer Aufgaben. Er folgt Alex Singer nach, der jetzt in die Berufschulabteilung der Bougainvilleschen Bildungsbehörde in Buka aufgerückt ist.

Dete Siegert, seit Ende 2007 in Arawa, betreut mit seiner hiesigen Kollegin die Jugend Zentral-Bougainvilles, die im Bürgerkrieg groß geworden ist und am meisten unter ihm gelitten hat. Meist ist Dete in den entlegendsten Winkeln seines Einsatzgebietes unterwegs. Seit er da ist, regt sich wieder was in der Jugendarbeit. Er folgt Harry Rettner nach, der bis Ende 2006 hier war.

Ich. Stefan und ich sind mit knapp unter und knapp über 30 die beiden jüngsten Projektmitarbeiter von HORIZONT3000 in PNG.

Neuseeländische Entwicklungshelfer:
Neben uns sind Pete und Di und zwei Neue vom neuseeländischen Entwicklungsdienst Volunteer Service Abroad (VSA) die einzigen Weißen. VSA unterstützt eine breite Bandbreite von lokalen NGOs mit Geld und Personalkraft.

Australische Entwicklungshelfer:
In Mabiri unterrichtet eine australische AVI-Lehrerin mit wohl deutschen und neubritannischen Großeltern (die dürfte eigentlich nicht zählen, da hier geboren).

Australische Religiöse:
Bruder Gerry und Schwester Vicky vom männlichen bzw weiblichen Zweig des Maristenordens. Der fast 80-jährige Gerry ist gleichzeitig AVI (Australian Volunteers International) -Entwicklungshelfer und teilt sich das Büro mit uns. Vicky counselt vom Schicksal oder ihrem Mann geschlagene Ehefrauen, traumatisierte Kids u.a..

Neuseeländische Polizisten:
Dem gelegentlich vorbei schauenden neuseeländischen Polizei-Team, welches die Community Police ausbildet und Waffen zählt verdanken wir das zweifellos hilfreiche Wissen, dass in Arawa noch ca. 40 M16s und ein paar andere Schnellfeuergewehre, deren Namen ich mir nicht merken kann, in freier Eigentümerschaft herum schwirren.

Die dauerhaft hier stationierte Polizei des ehemaligen Kolonialherren Australien wurde schon Mitte letzten Jahres aus Bougainville verwiesen, offenbar weil sie sich der hiesigen Politik nicht unterordnen wollte (was ehemaligen Kolonialherren wohl allgemein schwer fällt). Schade, denn die hatten einen Helikopter hier stationiert, mit dem sie auch schon mal Kranke nach Buka geflogen haben.

Privatpersonenen:
Der alte hier verheiratete Däne soll vor kurzem gestorben und im Dorf seiner Frau begraben worden sein.
Einen uralten hier verheirateten Chinesen gibt es auch noch.
Beide sollen sogar während der Krise in Arawa geblieben sein.
Ach ja, einen gibt es hier noch: Er baut für Digicel Mobiltelephonmasten, die nur die Hälfte der Zeit funktionieren. Was aber nicht seine Schuld sei, meint er. Nationalität unbekannt. Australien?

Süd-Bougainville:
Im zum wilden Süden gehörige und daher hier nicht mitgezählte Bana-Distrikt lebt G. mit seiner Frau, Belgier. Interessante Menschen, vor allem weil man sie praktisch nie trifft und nur von ihnen weiß dass sie Kakaopulver und Lehmziegel her stellen und es bis zu den höheren Weihen der Entwicklungshelfer gebracht haben: Sie sprechen die dortige Lokalsprache perfekt. Ob sie wirklich Entwicklungshelfer oder Missionare, SIL-Bibelübersetzer oder Aussteiger sind, weiß keiner wirklich.

Statistik Zentral-Bougainville:
Permanent hier lebende Nicht-Melanesier: 2 Deutsche, 1 Österreicher, 4 Neuseeländer, 4 Australier, 1 Chinese. Hier lebende Melanesier (inkl. einiger Polynesier): Knapp 40.000.
Oder: 8 Entwicklungshelfer (Kategorie 1), 2 Religiöse (Kategorie 2) und ein Ingenieur (Kategorie 3), ein Rentner (Kategorie 4). Gerry könnte statt bei Kategorie 2 auch bei 1 gezählt werden, Pete statt bei 1 auch bei 4.
Von uns 12 verfügen immerhin 7 über einen Kühlschrank, 2 nicht, 3 unbekannt. Das ist der kleine Luxus, der uns von der Masse abhebt.
Von den 12 können sich die 3 HORIZONT3000-Kollegen, der Chinese und die 2 Australierinnen in der hiesigen Verkehrsprache Tok Pisin verständigen.

Die Polizisten sind in dieser Statistik nicht mitgezählt. Ebenso wenig die, die nicht als Ausländer erkennbar sind. Einige hier ansässige Bougainvilleer haben ausländische Eltern und teilweise auch Pässe.

%d Bloggern gefällt das: