Ampe

Februar 8, 2009

In Arawa gibt es einen alten geistig ver-/entrückten Mann, Ampe (so nennen ihn die anderen, er nennt sich selbst King Peter), der eine innige Beziehung zur katholischen Kirche hat. Diese Tage hab ich ihn das erste Mal seit langem wieder gesehen. Er kam ins Büro und erzählte leidlich gutem Englisch-Pidgin-Gemisch von einem weißen Mann, der ihm ein „invoice“, eine Rechnung gegeben habe. Irgendwie machte er uns für irgendwas verantwortlich.

Letztes Jahr haben wir ihn häufiger gesehen. Teils hat er im leer stehenden Bischofshaus übernachtet und unter dem Haus sämtliches hölzernes herum liegendes Inventar für sein Herdfeuer verbrannt. Nächtens muss er regelmäßig längere lautstarke Gebetssessions eingelegt haben, so dass sogar die sehr katholischen Nachbarn um ihren Schlaf gebracht wurden. Der Bischof habe ihn als Wache für das Haus eingesetzt. Teils hat er auch im benachbarten Priesterhaus übernachtet (mit oder ohne anwesenden Priester – das schien ihn nicht weiter zu stören). Einmal musste ich ihm detailliert Rechenschaft über meinen abendlichen Besuch in der Nachbarschaft abgeben. Immerhin hat er sich eine Stunde lang nicht von meinem Auto weg bewegt. Offenbar fiel das in seinen bischöflichen Wächterauftrag. Ein anderes Mal bat er mich um einen Kina (ca. 30 Eurocent). Er müsse Nägel für das Bischofshaus kaufen. (???) Bei durch unsere Straße ziehenden Prozessionen hängt er gelegentlich ein mit unverständlichen religiösen Symbolen beschriftete Leinwand von unserem Büro-Balkon. Wenn man Glück hat, kann man ihm dann auch beim Predigen in einem interessanten Englisch-Pidgin-Tok Ples-Gemisch zuhören.

Nein, diese Geschichte hat keine Pointe, ausser vielleicht, dass nicht überall auf der Welt „geistig schwache“ weggesperrt werden. Eine interessante Entdeckung, nicht wahr?

Kategorien:Bougainville
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