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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft (II) – Männlein und Weiblein

September 18, 2009

Als Entwicklungshelfer in Papua-Neuguinea interessiere ich mich beruflich für eines der drängenden gesellschaftlichen Themen des Landes: HIV/AIDS. Die einschlägige Literatur stellt dabei einige Thesen auf: Zur derzeitig rasanten Ausbreitung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten trüge neben Unwissenheit, der gesellschaftlichen Tabuisierung von Sex und anderen geschlechtlichen Themen u.a. auch das – wiederum durch Geschenke ausgedrückte – Verhältnis der beiden Geschlechter untereinander bei.

Beispiele: Ein Mann mit Geld und Arbeit macht einer jungen Frau Geschenke und beweist ihr damit seine Freundschaft. Aus der Freundschaft entsteht, natürlich nicht zwangsläufig aber zumindest gelegentlich, eine sexuelle Beziehung, auch aber nicht nur weil die junge Frau die Geschenke erwidern will.

Oder ein Mädchen unterhält eine sexuelle Dauerbeziehung zu einem jungen Mann und bekommt von diesem regelmässig Geschenke. Der Mann kann sich dann „boyfriend“ nennen, ob Liebe im Spiel ist, ist eine andere Frage.

Ein neuerer neuguineischer HIV-Aufklärungsfilm macht die Geschichte einer Schülerin zum Thema. Von ihrem Eltern finanziell an der kurzen Leine gehalten, verbringt sie, wie auch ihre Freundinnen, gegen Geld- und Sachgeschenke Zeit mit besser gestellten älteren (nicht „alten“) verheirateten Männern.

Ein Interview mit einer Frau aus dem Hochland des indonesischen Westpapua: Sie habe einige Freunde, aber auch Kunden. Mit den als „Freunde“ bezeichneten Männern verbinde sie eine gegenseitige Zuneigung, sie würde sie regelmässig sehen und mit ihnen schlafen. Sie würde dort gut behandelt und erhalte ab und an Geschenke (die nebenbei bemerkt für sie eine wichtige Einkommensquelle darstellten).  Macht sie das zur Prostituierten? Daneben habe sie auch „Kunden“, die sie direkt nach dem Sex bezahlen würden. Letzteres entspricht schon eher der „europäischen“ Vorstellung von Prostitution.

Natürlich besteht hier kein Automatismus a la „ich gebe dir Geschenke und du schläfst mit mir“, aber vorkommen tut es schon.

Der Autor eines theologisch-soziologischen Artikels beschrieb vor ein paar Jahren wie junge Männer und Frauen aus dem Enga, einer Hochlandprovinz, üblicherweise einander die Zuneigung bekunden. Oft brächte der eine dem anderen ein paar Gartenfrüchte als Geschenk mit. Dem Gegenüber obliegt es nun sich zu überlegen ob er das Geschenk erwidern möchte. Tut er oder sie das, heiße das so viel wie „ja ich will dich auch“. Dann folgten erste heimliche Treffen. Was auf diesen Treffen passiert, möge sich jeder selbst ausmalen.

Allerdings hab ich schon von so vielen Menschen (verschiedener Altersgruppen und Geschlechts, auch aus dem Enga) Geschenke bekommen, dass mir schwer fällt zu glauben, dass die alle eine tiefere ähm partnerschaftliche Beziehung mit mir anfangen wollten …

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