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Entwicklungshilfe – Von hier aus gesehen

Dezember 30, 2009

Kennen Sie den Kokoda Track? Nein? Nun, der Kokoda-Track ist ein australisches Nationaldenkmal und liegt im ehemaligen Territory of Papua and New Guinea, dem heutigen unabhängigen Papua-Neuguinea. Hier wehrten im 2. Weltkrieg australische Soldaten den Vormarsch ihrer japanischen Feinde nach Port Moresby ab. Von Port Moresby aus hätte Japan Australien angreifen können.

Es kam nicht so. Von Norden stießen die Japaner vor, von Süden liefen ihnen die Australier durch Sümpfe, steile Klippen und undurchdringlichen Urwald entgegen. Beide Seiten wurden unterstützt von den Fuzzy Wuzzy Angels, den Kraushaarengeln, den neuguineischen Trägern der zahllosen Verwundeten (Der Name Fuzzy Wuzzy Angel verbreitete sich erst nach dem Krieg – während des Krieges wurden die Träger als Menschenmaterial teils schlecht versorgt und oft regelrecht verheizt). Die Schlacht am Kokoda Track war für die drei Seiten extrem verlustreich – und stellt für Australien ein nationales Trauma dar.

So traumatisch, dass dieses Jahr ein Aufschrei der Empörung aus Australien kam, als eine kleine Minengesellschaft am Rande des Tracks (heute eine Touristenattraktion, die immer noch Leben fordert) einen Tagebau eröffnen wollte. Der frisch gewählte australische Premier intervenierte höchstpersönlich, Entwicklungshilfe wurde versprochen und australische Entwicklungshelfer wurden geschickt um die Touristenattraktion „Kokoda Track“ auszubauen und zu stärken. Post-Courier und The National haben eine Zeit mehrfach wöchentlich über neue Medieninitiativen Australiens berichtet.

Gebundene Hilfe, „tied aid“, nennt man das im entwicklungspolitischen Jargon. Nicht, dass ich unbedingt überall in PNG Minen wachsen sehen will – aber das Beispiel zeigt doch wunderbar, wie westliche Länder Einfluss auf die Innenpolitik ihrer ärmeren Nachbarn nehmen. Ob die paar Touristen die sich auf den unwegsamen Kokoda Track wagen mehr zur Steigerung des Bruttosozialprodukts Papua-Neuguienas beitragen werden als der Tagebau? Immerhin sind sie wohl umweltfreundlicher als die Mine (was in diesem Fall immer wieder gerne von Australien herausgestellt wird, aber bei australischen Tagebau-Projekten in PNG vorsichtshalber nicht erwähnt wird). Jedenfalls hat hier Australien, um das eigene nationale Trauma zu verarbeiten, PNG eine weitreichende wirtschaftspolitische Entscheidung aufgedrängt.

Dies ist nur ein kleines Beispiel für die interessengeleitete Entwicklungspolitik die die westlichen Nationen gerne betreiben.

William Easterly, Wirtschaftswissenschaftler der Weltbank, schreibt in seinem Buch „The elusive quest for growth“ (im Kapitel „The loans that were, the growth that wasn`t”): „Aid appears to be determined by the strategic interests of donors …”. Er nennt eine Reihe von Beispielen in denen Industrienationen Entwicklungsländer mit vergünstigten Entwicklungs-Krediten für politische Entscheidungen im Sinne der Geberländer belohnt haben. Theoretisch ist solche Entwicklungshilfe an verbesserte Regierungsführung gebunden, praktisch sehen viele Geber und Empfänger das nicht so eng. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser „gebundenen Hilfe“ in diesen Ländern festzustellen, könne man genauso gut eine Münze werfen: In der Hälfte dieser Länder sei nach der „Hilfe“ die Wirtschaft gewachsen, in der anderen Hälfte sei sie geschrumpft.

Soll heißen: Von politischen Interessen der Geberländer geleitete Entwicklungshilfe habe keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Nehmerlandes, weil sie oft in die falschen Kanäle fließen. (Warum das so ist, versucht er in den darauf folgenden Kapiteln heraus zu arbeiten)

Der neue Entwicklungsminister Deutschlands, Dirk Niebel, bringt das übrigens klipp und klar auf den Punkt: Es sei kein Fehler, “wenn Entwicklungszusammenarbeit auch für deutsche Unternehmen von Vorteil ist.‘

Prost Neujahr!

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