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Sex sells … Kekse und Reis

April 16, 2010

Kultur und Moderne

Kultur und Moderne

Ich kann mich noch an die Zeit vor meiner ersten Ausreise nach PNG erinnern. Damals saßen wir angehenden Entwicklungshelfer und Missionare während der Vorbereitungszeit in gemütlicher Runde zusammen und diskutierten was uns wohl in Afrika, Asien und Neuguinea erwarte. Ein Austauschpastor aus dem Süden hatte uns das Stichwort gegeben. Wie schwer ihm als Fremden Anfangs der Umgang mit der deutschen sexuellen Freizügigkeit gefallen sei. Sein Schock-Erlebnis sei ein nur mit Slip und BH bekleidetes Unterwäsche-Model gewesen … .

Immerhin war sie bekleidet, würde ich heute sagen … .

Wäre die Frau in einer Werbung für Kekse auch so aufgefallen (siehe Bild)?

Ein erotischer Aufhänger, aber ein ernsthaftes Thema. Der Umgang mit dem menschlichen Körper hat sich auch in PNG im vergangenen Jahrhundert der Christianisierung verändert. Nacktheit ist verpönt und wird schnell zu „Pornographie“ erklärt. Lehrer müssen sich schon sehr überwinden um für die Sexual-Aufklärung die Dinge beim Namen zu nennen. Die meisten überwinden sich nicht. Eine Lehrerin und ausgebildete Sexualaufklärerin erzählte mir folgende kleine Geschichte. Sie sei vom Ältestenrat einer Gemeinschaft eingeladen worden, HIV/AIDS-Aufklärung zu betreiben. In der Folge hatte sie wohl gegen traditionelle Tabus verstossen, nach denen sexuelle Themen und Körperteile nicht benannt werden dürfen. Promt wurde der traditionelle Straf-Preis für diesen Verstoß gegen die guten Sitten verlangt: ein Schwein, auszuhändigen an die Autoritäten der Gemeinschaft. BAHA, die „Business Coalition against HIV/AIDS“, geht sogar so weit, dass sie ein eigenes Programm für ihre AIDS-Champions begonnen hat. Die „Champions“ sind Aufklärer, die sich überwunden haben. Die z.B. ein Kondom am Holzstock ohne rot zu werden präsentieren können. Viele sind es noch nicht. In Bougainville gibt es wahrscheinlich keinen einzigen „Champion“.

Andere Länder, andere Sitten - Mädchen aus der Milne Bay Provinz auf dem Titelblatt der Pacific Business Review

Auf der anderen Seite: Nicht nur der männliche, auch der nackte weibliche Körper ist allgegenwärtig und immer präsent. Und niemandem fällt es auf, niemand (er-)regt sich (auf). Trukai Rice, Lae Biskuit und die Dosenfischproduzenten lassen schon mal die Hüllen fallen. Hauptsache Körperbemalung und ein paar traditionelle Utensilien stellen den richtigen Rahmen her … . Und mal ernsthaft: Bei so viel Nacktheit – was is daran noch erotisch? Alles eine Frage des kulturellen Blickwinkels.

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