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Das Minenfeld der interkulturellen Kommunikation

Juli 3, 2010

Die Beschäftigung mit „dem Interkulturellen“ gehört bei mir als Entwicklungshelfer gewissermassen mit zum Beruf. Was liegt näher, als mich auch theoretisch zu rüsten, um meine praktischen Erfahrungen zu komplementieren. Bei der Suche nach geeigneter Literatur bin ich auf das Buch „Cross-Cultural Dialogues – 74 Brief Encounters with Cultural Difference“ von Craig Storti gestoßen.

Das Buch enthält eine Sammlung kurzer erfundene Dialoge jeweils zwischen einem Amerikaner und einem Nicht-Amerikaner. Es verspricht seinen amerikanischen LeserInnen ihr interkulturelles Bewusstsein zu erweitern und zu helfen das Minenfeld der interkulturellen Kommunikation bewusst zu meistern.

Für uns Nicht-Amis ist die Lektüre allerdings eher ein Lehrstück ganz anderer Art:

Hier Dialog Nr. 60:

Fräulein Braun: Haben Sie Dr. Ulrich getroffen?
Ms. Burbank: Nein, aber ich habe viel über ihn gehört. Er ist ein ganz schöner Intellektueller, wird gesagt.
Fräulein Braun: O ja! Er hat zwei Doktortitel, einen in Politikwissenschaft und einen im Ingeniörswesen.
Ms. Burbank: O, ein richtiger Visionär. Aber nicht viel Erfahrung im täglichen Geschäft, wurde mir gesagt.
Fräulein Braun: Nein, nicht viel.
Ms. Burbank: Ich hab auch gehört, dass er als Erbe des Top-Jobs gilt, wenn Herr Müller nächstes Frühjahr zurücktritt.
Fräulein Braun: Ja. Wir sind sehr glücklich darüber.

Mal ehrlich: Welches deutsche Unternehmen würde einen Menschen ohne wesentliche Erfahrung als Manager als Chef einsetzen?

Was lernen wir daraus? Amerikaner verstehen uns nicht! Vielleicht. Aber vor allem:

Es ist so verdammt einfach mit dem Blick durch die eigene Brille die Welt gründlich misszuverstehen!

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