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Klein-China in Bougainville

August 30, 2010

Als Indikator für wirtschaftliche Entwicklung musste schon so manches her halten. Der Klassiker ist das Bruttosozialprodukt („Jaja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, …“). Aber es geht auch anders. Findige Köpfe haben den World Happiness Index entwickelt, auch die durchschnittliche Lebenserwartung wird als Indikator für wirtschaftlichen und sozialen Erfolg heran gezogen. Kompliziertere Verfahren verbinden gleich mehrere Indikatoren zu einer einzigen Kennziffer. Die meisten dieser Verfahren zur Einschätzung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes verlangen ausgiebige Kenntnisse der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und ein Statistik-Diplom, will man sie im Detail verstehen.

Mein Bougainvillscher Freund hat seine eigene Methode entwickelt, den Grad der wirtschaftlichen Verflechtung seiner Heimat mit der Aussenwelt zu messen. Er zählt Ausländer. Solche, die mit dem Flugzeug an- und abreisen. In erster Linie: Chinesen. Mit dieser unkomplizierten, wenn auch leicht chauvinistischen Methode hat er heraus gefunden: Es reisten deutlich mehr Asiaten ein, als aus. „Kein gutes Zeichen“, meinte er und zählte eine Reihe Unternehmungen auf, die sich bereits in chinesischer Hand befänden. Von hysterischen Chinesenprogromen wie sie andernorts stattfinden, sind wir zwar noch weit entfernt, aber schon wird ein Gesetz diskutiert, dass den Staatsbürgerschafts-Erwerb erschweren soll.

Bougainville hat mit dem ehemaligen Priester John Momis kürzlich einen Präsidenten mit teils chinesischen Wurzeln gewählt. Er sieht es als seine Aufgabe an Investitionen aus dem Ausland anzuwerben um die Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Delegation der chinesischen Botschaft hat bereits versucht gute Stimmung für ihre Investments zu machen. Ob dabei mehr als ein paar Supermärkte heraus kommen? Wir werden es sehen.

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