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Deutscher Kakao in Bougainville

November 17, 2010

Was verbindet Deutschland mit dem tropischen Bougainville? Auf den ersten Blick nicht viel, ausser der kurzen gemeinsamen (Kolonial-)Geschichte. Den kleinen Kakao-Farmern ist Deutschland dennoch ein Begriff. Die nach wie vor beliebteste Kakao-Züchtung ist der „German Cocoa“. Im Gegensatz zu den seit den 1990er Jahren eingeführten modernen Hybridzüchtungen benötigt German Cocoa weniger Pflege, ist widerstandsfähiger gegen Krankheiten und trägt noch nach Jahrzehnten. Woher die Bezeichnung „German Cocoa“ stammt, habe ich nicht ergründen können. Denn zu deutschen Kolonialzeiten bis 1914 spielte Kakao noch keine große wirtschaftliche Rolle.

Nach dem Bürgerkrieg Ende der 1990er Jahre förderten Australien und die EU den Wiederaufbau der Kakao-Plantagen mit dem Verteilen von Hybrid-Setzlingen und Mini-Kakao-Trocknern. Heute hat der Export wieder Vorkriegsniveau erreicht. Mit dem Unterschied, dass heute kommerziell betriebene Grossplantagen keine Rolle mehr spielen.

Mittelfristig glaubt die Politik über Kakao-Export-Steuern 40 bis 60 Millionen Kina einnehmen zu können – wodurch der Haushalt der Autonomen Region Bougainville wesentlich mit finanziert würde.

Dieser rasante Wiederaufbau der Kakao-Industrie ist nur durch eines gefährdet: Den Cocoa-Pod-Borer. Ein Schädling, der in anderen Provinzen bis zu 80 Prozent der Ernte vernichtet hat. Dennoch, der Kakao-Sektor ist auch für ausländische Investoren wieder interessant geworden. Und die langjährige Forschungsarbeit hat Methoden aufgezeigt, mit man den Schädling kontrollieren kann: Durch regelmässiges Ernten, vergraben infizierter Teile und Auslichten des Astwerkes.

Ein Nebeneffekt: Durch diese neuen Bewirtschaftungsmethoden ließe sich sogar der Ertrag steigern. „This pest is a blessing in disguise“, der Cocoa Pod Borer – ein Schaf im Wolfspelz. Viel Glück bei seiner Zähmung!

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