Startseite > Deutsch, Papua New Guinea, Rezepte, Welt verbessern > Warum gib es im Hotel kein heimisches Essen? Bestandsaufnahme der Küche Papua-Neuguineas

Warum gib es im Hotel kein heimisches Essen? Bestandsaufnahme der Küche Papua-Neuguineas

November 3, 2011

Liebe geht durch den Magen. Dennoch geniesst die bodenständige Küche Papua New Guineas genießt international wenig Beachtung. Zu fremd sind wohl die darin verwendeten Zutaten. Sämtliche Getreidesorten und die bei uns beliebte Kartoffel waren hier bis vor kurzem unbekannt. An ihrer Stelle treten Erdfrüchte wie Taro, Yam, trockene Kochbananen und die auch erst vor wenigen Jahrhunderten eingewanderte Süßkartoffel; und an der Küste ‘Saksak’, das aus dem Inneren der Sagopalme gewonnene und aus reiner Stärke bestehende Sagomehl.

Die Auswahl an ‘protein’ (Fleisch) beschränkt sich auf Schwein (wenn denn mal eines geschlachtet wird), Baumkänguruh, Meeresfrüchten, und seit einigen Jahrzehnten Huhn, Dosenfleisch und fettigen im Herkunftsland Neuseeland wahrscheinlich unverkäuflichen Lamm(?)fleischabfällen.

Letztere verringern zwar die Mangelversorgung an Eiweiss ein wenig, verursachen bei übermässigem Genuss aber gesundheitliche Probleme. Der aktuelle Gesundheitsminister Maxtone-Graham überlegt laut ob er die Einfuhr nicht mit einer Gesundheitssteuer belegen oder ganz verbieten sollte. Meine eigenen Versuche mit ‘lamb flaps’ sind schon im Supermarkt fast gescheitert. ‘Ist das für ihren Hund?’, fragte mich die Verkäuferin.

Gewürzt wird durch die Kombination mit verschiedenen ‘Kumu’-Grüngemüsen.

Zurück zum eigentlichen Thema. All dies führt dazu, dass die neuguineische Küche ausserhalb der familiären Kochhäuser keine Lobby hat. In Hotels im Land beschränkt sich das ‘niugini’ Angebot auf ‘Wantok Pizza’ (dick mit Fleisch belegt), zwei Kumu-Blätter oder ein Stück Taro als Beilage. Die überall verbreiteten ‘Kai Bars’ genannten Schnellimbissbuden bieten nicht viel mehr.

Die Ansicht, dass es nicht viel mehr gebe, ist so verbreitet, dass kaum jemand sich die Mühe macht die existierenden Rezepte zu sammeln und in Kochbüchern zu veröffentlichen. Erhältlich sind gelegentlich die Kochbücher des Hühner und Eierproduzenten Zenag und der Reismarke Trukai. Sowohl Huhn und Ei als auch Reis sind zwar mittlerweile Grundnahrungsmittel, aber haben ihren Siegeszug erst in den letzten zwei Generationen angetreten. Im Fernsehen gibt es eine von ‘Flame Flour’ (eine Mehl-Marke) gesponsorte Kochsendung. Noch ein importiertes Nahrungsmittel.

Wieder hat die Großmutters Küche keine Chance.

Eine Ausnahme bilden da die Rezeptsammlungen der Missionswerke. Das auf Pidgin verfasste kleine rote ‘Kuk Buk’ oder das deutsche ‘Missionskochbuch’ mit Rezepten aus dem Pazifik und Afrika (als PNG-Rezept wird u.a. ‘Schildkrötensuppe’ beigesteuert) und eines, dass ich vor Jahren im Buchladen der Neuendettelsauer Mission Eine Welt erstanden hatte (mit Anweisung zur Herstellung von Kokosnussmilch, Zubereitung von Kochbananen (‘wie Kartoffeln’), …).

%d Bloggern gefällt das: