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Wissenschaftliche Selbstentblößung …

Januar 29, 2012

Das Studium der Bewohner im Norden von Papua-Neuguinea geriet zur wissenschaftlichen Selbstentblößung. Kiriwina, die Wiege der modernen Soziologie.

Kiriwina und die kleine Inselgruppe der Trobriand Islands sind symbolische Orte. Sie haben die Ethnologie so entscheidend mitgeprägt wie keine andere Region.

Vor hundert Jahren stellte sich der Anthropologe Bronislaw Malinowski sich die zeitlose Frage wie man einer Kultur, die nicht die eigene ist, gerecht werden könne. Während seine Kollegen zu der Zeit Tonscherben und Schmuckstücke sammelten, mit denen anderer Regionen verglichen, um daraus ‘Kulturkreise’, d.h. Verwandtschaftsbeziehungen zwischen ‘Kulturen’, zu konstruieren, ging es ihm um mehr.

Er wollte die Kultur seiner Gastgeber an sich verstehen, mitsamt den Emotionen und inneren Beweggründen der Menschen.

Als ins britische Papua gereiste Forscher mit österreich-ungarischem Pass blieb ihm bei Ausbruch des 1. Weltkriegs auch nichts anderes übrig. Die Wissenschaftslegende besagt, dass er als Bürger eines Feindstaates vor die Wahl Internierung, oder Forschung in einer entlegenen Inselgruppe gestellt wurde. Er entschied sich für die Trobriands, eine Inselgruppe östlich vor Neuguinea. Dort lebte er bis zum Ende des Krieges unter den Insulanern, nahm am Leben teil und schrieb alles auf, was er mitbekam. Das Ergebnis stand ein Stück Grundlagenliteratur für jeden Ethnologie-Studenten, und der Schluss:

‘Das Erlernen einen neuer Kultur … [gleicht] dem Erlernen einer neuen Sprache an dessen Ende die vollkommene Ablösung von der ursprünglichen stehe.’ (Malinowski)

Der Begriff der „teilnehmenden Beobachtung“ wurde von ihm geprägt. Dass seine Erfahrung des Erlernen der neuen Kultur oft vom selbst geschaffenen Ideal abwich, und offenbar mit viel Frustration und Kulturschock verbunden war, kann man hier (freitag.de, Jürgen Kaube) lesen.

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